Ludwik Fleck – Rezeption

Das Theoriegebäude von Ludwik Fleck erfuhr zu seinen Lebzeiten nicht die Aufnahme in der wissenschaftlichen Diskussion, die ihm zugestanden hätte. Mit der Diskussion des Werks von Thomas S. Kuhn („Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen“) hielt die Denkstiltheorie Einzug in jene Auseinandersetzungen. Kuhn erwähnt Flecks Monografie im Vorwort. In der Folge wurden zahlreiche Artikel veröffentlicht, die beide Ansätze miteinander vergleichen. Andere Beiträge setzten sich mit dem von Fleck dargelegten Theoriegebäude auseinander und setzten es in spezifische Kontexte.

Brühe, Roland; Rottländer, Ruth; Theis, Sabine:
Denkstile in der Pflege.
In: Pflege 5/2004 (17), S. 306-311

Brühe, Roland; Theis, Sabine:
Denkstile und professioneller Pflegeprozess. Wie beurteilen Lehrende an Krankenpflegeschulen Pflegeplanungen von Schülern?
Saarbrücken 2008

Thomas Schnelle:
Ludwik Fleck – Leben und Denken. Zur Entstehung und Entwicklung des soziologischen Denkstils in der Wissenschaftsphilosophie.
Hochschulverlag, Freiburg 1982
Diese einmalige Biographie über das Leben und Werk Ludwik Flecks stellt die Dissertation Schnelles dar. Dazu hat er Kontakt mit Menschen gesucht, die Ludwik Fleck kannten. Er erstellte eine umfassende Bibliographie der Publikationen Flecks und übersetzte diverse Artikel in die deutsche Sprache. Die Biographie bietet einen umfassenden Überblick.

Robert S. Cohen, Thomas Schnelle (Hrsg.):
Cognition and Fact. Materials on Ludwik Fleck.
D. Reidel Publishing Company, Dordrecht u.a. 1986.
Dieses (englischsprachige) Werk enthält neben den Aufsätzen Flecks, die in der deutschen Ausgabe „Erfahrung und Tatsache“ zusammengestellt sind, mehrere Aufsätze über Fleck, seine Zeit und seine Denkstiltheorie. Das Buch basiert auf den Beiträgen im Rahmen von zwei wissenschaftlichen Treffen zum Fleckschen Theoriegebäude (Hamburg 1981 und Berlin 1984).

Zdzislaw Cackowski:
Ludwik Fleck’s Epistemology
In: Dialectics and Humanism 3/1982, S. 11-23

Ilana Löwy:
The Scientific Roots of Constructivist Epistemologies: Hélène Metzger and Ludwik Fleck
In: Gad Freudenthal (Hrsg.): Studies on Hélène Metzger, Paris, 1988, S. 219-235

Josef Neumann:
Der historisch-soziale Ansatz medizinischer Wissenschaftstheorie von Ludwik Fleck (1896-1961)
Neumann beschreibt zunächst die Denkstiltheorie Flecks. Seine Kritik bezieht sich auf das Determinierende der Ur- oder Präideen und das augenscheinliche Unfreisein durch die Zugehörigkeit zu einem das Denken bestimmende Denkkollektiv.

Ilana Löwy:
Quantification in Science and Cognition Circa 1937. A Newly Discovered Text of Ludwik Fleck
In: Science in Context 2/1988 (2), S. 345-355

John Wettersten:
The Fleck Affair: Fashions versus Heritage
In: Inquiry, 34, S. 475-498
Wettersten beschreibt die Hauptgedanken Flecks, geht auf die Entdeckung seines Werkes in England und Deutschland durch Baldamus und Schäfer sowie in Amerika durch Trenn, Kuhn und Merton ein. Er kommt zu dem Schluss, dass Fleck seine Gedanken zu spät veröffentlichte, da diese früher und präziser an anderer Stelle dargestellt wurden.

Stefan Winneke:
Ludwik Fleck – Zur Wirkung eines Wirkungslosen.
In: Helmuth Albrecht (Hrsg.): Naturwissenschaft und Technik in der Geschichte. 25 Jahre Lehrstuhl für Geschichte der Naturwissenschaft und Technik am Historischen Institut der Universität Stuttgart
Winneke geht auf die Rezeption von Flecks Wissenschaftsphilosophie ein, insbesondere auf die „Entdeckung“ durch Thomas S. Kuhn. Er spricht sich gegen Prioritätsstreitigkeiten (Fleck vs. Kuhn) aus und weist auf die Anregungen durch die Schriften Flecks hin.

Egloff, Rainer (Hrsg.):
Tatsache – Denkstil – Kontroverse. Auseinandersetzungen mit Ludwik Fleck.
Collegium Helveticum, Zürich 2005
Der Sammelband vereint Beiträge rund um die Ausstellung „…was überhaupt möglich ist. Zugänge zum Leben und Denken Ludwik Flecks im Labor der Moderne“ am Collegium Helveticum in Zürich (Mai und Juni 2004). Die Vortragsreihe „Fleckolloquium“ und der zweitägige Workshop „Denkstilkontroversen“ boten verschiedenste Aspekte aus verschiedenen Perspektiven rund um Flecks Denkstiltheorie.