Archiv der Kategorie: Hochschule

Der Bahnhof von Vallendar

Wenn mit der Alma Mater per E-Mail Schluss gemacht wird

Die Geschichte ist ja hinlänglich bekannt: Der eine will Schluss machen mit der Beziehung, meidet aber die direkte Konfrontation. Deshalb schreibt er eine SMS und teilt die Trennung darüber mit. Der andere kann das erstmal nur hinnehmen und hat keine Möglichkeit, direkt zu reagieren. So etwas ist nun auch auf Hochschulebene geschehen.

Studierende und Mitarbeitende meiner Alma Mater, die Pflegewissenschaftliche Fakultät der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV), erhielten per E-Mail die Nachricht, dass die Fakultät per sofort „stillgelegt“ wird. Das haben die entsprechenden Leitungspersonen des Pallottiner-Ordens als Träger der Hochschule entschieden. Die Mitteilung kam Gründonnerstag, kurz vor dem höchsten Fest des christlichen Glaubens. Von christlicher Nächstenliebe war allerdings nichts zu spüren. Schließlich wurde per SMS E-Mail Schluss gemacht, nicht im direkten Gespräch. Niemand in der Fakultät wusste etwas davon im Vorfeld.

Das auf die Schließung folgende Elend zeigt sich rasch. Verunsicherte Studierende wissen nicht, wie es mit dem Studium genau weitergehen soll. Mitarbeitende haben keine konkrete Ahnung, wie es mit ihrer Beschäftigung weiterlaufen soll. Für die Pflegewissenschaft in Deutschland ist dies ebenfalls ein herber Schlag in empfindliche Regionen. Das strukturierte Promotionsprogramm ist sehr nachgefragt und bedeutend für die zukünftige Besetzung insbesondere von Professuren in der Pflegewissenschaft. Die Absolvent*innen des pflegewissenschaftlichen Masterstudiengangs arbeiten schon jetzt in wichtigen Funktionen und Positionen in den Einrichtungen und Organisationen. Die Lehramtsstudierenden erhalten in Kooperation mit der Universität Koblenz eine wissenschaftlich fundierte und nachgefragte Pflegelehrendenqualifizierung. Und der zukunftsweisende Studiengang Community Health Nursing hatte gerade begonnen. Darüber hinaus bietet die Fakultät eine Infrastruktur für systematische Pflegeforschung, wie es eben nur einer Universität möglich ist. All das wird nun wohl bald Geschichte sein, wenn die Fakultät in zwei bis drei Jahren die Türen endgültig schließen wird.

Es regt sich Widerstand, zum Glück. Die Solidarität ist groß. Verschiedene Verbände haben bereits Stellungnahmen und Appelle an die PTHV und die Politik gerichtet. Die Studierenden haben aufmerksamkeitserregende Aktionen durchgeführt und planen weitere. Und das Netzwerk der Ehemaligen, dessen Sprecher ich bin, hat sich nach der Mitteilung am Gründonnerstag stantepede organisiert und über Ostern eine Stellungnahme verfasst und veröffentlicht. Die Alumni nutzen ihre Netzwerke, um auf die unerträgliche Situation, die durch die Entscheidung der Hochschulträger eingetreten ist, aufmerksam zu machen. Ich selbst habe u.a. Interviews für SpringerPflege und BibliomedPflege gegeben.

Für mich ergeben sich folgende Erkenntnisse aus dieser Situation.

  1. Dass der Wegfall der Pflegewissenschaftlichen Fakultät eine solche Lücke in die Qualifizierungs- und Forschungsinfrastruktur reißt, macht deutlich, wie unzureichend diese Infrastruktur insgesamt in Deutschland entwickelt ist.
  2. Es braucht neue, universitäre Orte für die Pflegewissenschaft. Forschung benötigt eine Infrastruktur, wie sie nur Universitäten adäquat bieten können. Universitäten können wissenschaftlichen Nachwuchs ausbilden, der die Forschung und die Studiengänge von morgen ermöglicht und sicherstellt.
  3. Wenn die Gesellschaft und damit auch die Politik eine pflegerische Versorgung wollen, die wissenschaftlich basiert arbeitet und Konzepte zum Wohl der Bevölkerung entwickelt und umsetzt, dann sind die Länder aufgefordert, an staatlichen Universitäten Fakultäten, Lehrstühle und Personalstrukturen einzurichten und zu finanzieren.
  4. Eine Hochschule ist ein Ort der Bildung und kein Ort merkantiler Gewinnanhäufung. In Deutschland gibt es deshalb eine gute Tradition der akademischen Selbstverwaltung in Hochschulen, die getrennt ist von der kaufmännischen Leitung. Der Wissenschaftsrat überprüft unter anderem genau das im Rahmen der institutionellen Akkreditierung von privaten Hochschulen. In Rheinland-Pfalz ist dies nie erfolgt, weil das Land dies augenscheinlich nicht für nötig befunden hat einzufordern. Deshalb: Alle privaten Hochschulen müssen eine solche Akkreditierung erfahren, damit nicht die Geschäftsführung über Dinge entscheidet, die Sache der Hochschulgremien ist.

Wenn alle Aktionen, Appelle und Stellungnahmen den eingeleiteten Zustand in Vallendar nicht verändern, werde ich bald eine Doktorurkunde besitzen, die von einer nicht mehr existierenden Fakultät ausgestellt wurde. Das macht mich emotional betroffen. Denn zu meiner Alma Mater habe ich nicht nur ein wissenschaftlich-rationales Verhältnis, sondern eben auch ein emotionales.

Guter Jahresabschluss: Antrittsvorlesung als neuer Professor

Seit September habe ich nun eine Professur inne – etwas, auf das ich schon viele Jahre lang hin gearbeitet habe. Als Professor für Pflegepädagogik bin ich nun also hauptamtlich an der Ausbildung von Lehrenden für Pflegebildungseinrichtungen beteiligt, bin zuständig für die Anregung zur Auseinandersetzung der Studierenden mit den drei zentralen Begriffe der Erziehungswissenschaft: Erziehung, Bildung und Didaktik. Mein erstes Semesters in dieser neuen Rolle gestaltete sich recht aufregend. Dabei standen die Vorbereitung von Lehrveranstaltungen und die Gestaltung der Zusammenarbeit mit den Studierenden und den Kolleginnen und Kollegen im Vordergrund. Als guten Abschluss des Jahres habe ich dann im Dezember sozusagen meinen Einstand als neuer Hochschullehrer an unserer Hochschule gegeben: Ich lud ein zur Antrittsvorlesung.  Weiterlesen

Neuer Arbeitsplatz, neue Möglichkeiten ausprobieren: ILIAS

Neues Büro

Nach neun Jahren habe ich meinen Arbeitsplatz am Forschungsinstitut verlassen. Seit Mai bin ich nun als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen beschäftigt. Und die Arbeitsaufgabe ist spannend: Ich bin für das praktische Studium der Bachelor- und Masterstudierenden mit pflegepädagogischem Schwerpunkt zuständig. Das bedeutet momentan, Vorschläge für die Reorganisation zu entwickeln. Ab dem nächsten Wintersemester bedeutet es für mich, die Studierenden in ihrem Praktikum an Pflegebildungseinrichtungen zu unterstützen. Zum einen mit Hospitationen einer Unterrichtsstunde vor Ort und zum anderen mit Begleitveranstaltung zur Reflexion des Erlebten. Weiterlesen

Kulturbegriff und empirische Pflegeforschung

Es ist schade, wenn Texte in der Schublade verschwinden, in deren Erarbeitung viel Arbeit und Enthusiasmus gesteckt wurde. Einer Arbeit, die ich im Jahr 2007 im Rahmen des Masterstudiengangs Pflegewissenschaft in Vallendar gemeinsam mit Annette Lauber verfasst habe, soll dieses Schicksal auf jeden Fall erspart bleiben.

Kulturspezifische Pflege, kultursensible Pflege, transkulturelle Pflege und interkulturelle Pflege sind vielfältig gebrauchte Begriffe in der Pflegeliteratur.  Weiterlesen

Neuer Lehrauftrag: Schulpädagogik

Nachdem ich im letzten Jahr einige Lehrveranstaltungen zur Pflegebildungsforschung gestalten konnte und auch hier und da an der Katholischen Hochschule NRW Studierenden etwas nahebringen konnte, habe ich nun einen umfangreicheren Lehrauftrag erhalten. Im Wintersemester 2010/2011 gestalte ich das Modul zum Thema Schulpädagogik. Mit vier Semesterwochenstunden ist dies ein nicht unwesentliches Modul im Rahmen des Masterstudiengangs „LehrerInnen Pflege und Gesundheit“.

Neben einer Einführung in die Struktur der erziehungswissenschaftlichen Teildisziplin Schulpädagogik und ihrer Entwicklung werde ich vor allem Wert darauf legen, für Pflegebildungseinrichtungen relevante Themenstellungen zu bearbeiten. Dabei folge ich den drei Schwerpunkten der Schulpädagogik und thematisiere die Schule als System, die sie bedingenden Lehrplan-Rahmenbedingungen und das Handeln im Unterricht im Kontext des Systems Schule. Die gesundheitsfördernde Schule, die Einführung von klassenraumübergreifenden Unterrichtsverfahren und die Lernenden als sich bildende Menschen stellen dabei einige der zu bearbeitenden Themen dar.

Ich bin sehr gespannt, wie sich die doch recht intensive Zeit mit den Studierenden gestalten wird. Es ist für mich ein gemeinsames Sich-auf-den-Weg-machen.