Alle Beiträge von Roland Brühe

Über Roland Brühe

Pflegepädagoge, Pflegewissenschaftler, Popmusikhörer, Alltagskoch, Radfahrer, Katzenfreund

Kolumne von damals: Schwuler pflegen

In den Jahren 1995 bis 2004 habe ich das Online-Magazin Der Pflegebrief herausgegeben. Es ist interessant, manche Beiträge von damals mit den Augen von heute neu zu lesen. So habe ich die kleine augenzwinkernde Kolumne von Ben Robe, die unter dem Titel Schwuler pflegen veröffentlicht wurde, auch einmal wieder neu betrachtet. Und ich finde, dass diese Perle von damals für die interessierte Öffentlichkeit nicht verloren gehen darf. Deshalb habe ich alle Beiträge in einem Dokument zusammengestellt. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!

Doku: Männer und Schminken

Mit den Jahren stelle ich fest, dass ich mein Leben und mich selbst nicht mehr zwingend in eine berufliche und eine private Person trenne bzw. trennen kann. Zuviel des Privaten beeinflusst mein Denken und Handeln im beruflichen Kontext. Zuviel des Beruflichen prägt mich als Privatperson im Denken und Handeln. Insofern war es nur konsequent, dass ich einer Anfrage der Regisseurin Svenja Nagel aufgeschlossen gegenüber war. Sie ist über mein Instagram-Profil auf mich aufmerksam geworden für die von ihr geplante Dokumentation „Porenrein – Männer und Schönheit“, die im Rahmen der ZDF-Dokureihe 37 Grad Leben veröffentlicht werden sollte.

Die Doku dreht sich um die Frage, warum sich Männer schminken und auf ihre Schönheit achten – und warum es im gesellschaftlichen Kontext nicht selbstverständlich ist, dass Männer dies tun. Es ist ein guter Film entstanden, der die Geschichte von mir sowie Davide Scibetta erzählt. Wie ich finde, ist Svenja Nagel ein sehr entspannter und wertschätzender Film gelungen.

(Screenshot: ZDF-Mediathek)

Quelle Titelbild: Screenshot ZDF-Mediathek

Die Situation der praktischen Pflegeausbildung

Ausbildung im Pflegeberuf findet natürlich nicht nur im Gebäude der Schule statt, gleichermaßen bedeutsam ist der Erwerb des Wissens der Praktiker*innen in den Einrichtungen der pflegerischen Versorgung selbst. Und weil (Aus)Bildung nun nicht gerade zur Primäraufgabe dieser Einrichtungen zählt, findet Pflegeausbildung dort in einem geradezu widersprüchlichen Feld statt.

Bei der Arbeit an vielen damit verbundenen Fragen konnte ich in den vergangenen Jahren Studierende im Rahmen der Erstellung ihrer Qualifikationsarbeiten betreuen. Nicht alle davon erfahren eine Veröffentlichung, obwohl sie der Fachwelt eine fruchtbare und konstruktive Perspektive böten. Ich freue mich, die Autor*innen von sieben solcher Forschungsarbeiten gewonnen zu haben, ihre Erkenntnisse für einen Sammelband zu formulieren.

Der gemeinsam mit Hannah Scholl (M.A.) herausgegebene Band Die Situation der praktischen Pflegeausbildung. Beiträge zu einem widersprüchlichen Handlungsfeld ist nunmehr im Wissenschaftlichen Verlag Berlin (Web) zum Preis von 34,00 Euro erschienen.

Überblick über den Inhalt:

  • Roland Brühe und Hannah Scholl:
    Praktische Pflegeausbildung: Lernen in einem widersprüchlichen Handlungsfeld
  • Hannah Scholl:
    Analyse von Praxisanleiterweiterbildungen
  • Fabian Leopold und Franziska Lorenzen:
    „Die Anforderung ist groß – der Nutzen ist klein“? – Anspruch und Nutzen von Praxisanleiter-Weiterbildungen
  • Patrick Pfeufer und Hannah Scholl:
    Praxisanleitung von Pflegestudierenden – Anleitung as usual?
  • Roksana Ressmann und Beate Schramowski:
    Die berufliche Situation und die Zufriedenheit von Praxisanleiter_innen im Krankenhaus – Ergebnisse einer empirischen Befragung
  • Anne-Lena Lützler und Andrea Müller:
    Praktische Pflegeausbildung gestalten: Evaluation von Lehr-Lern-Methoden für den Lernort Praxis
  • Stefanie Berndt:
    We can do more than we can tell – Widersprüchliche Phänomene in Bezug auf Wissen und Wissenserwerb
  • Anna-Maria Stinn:
    Praxisbegleitung gestalten – Ein pflegedidaktisch begründetes Konzept

Informationen

Verlagsinformationen:
https://www.wvberlin.com/pages/bakery/die-situation-der-praktischen-pflegeausbildung-1671.php

Informationen der Deutschen Nationalbibliothek:
https://d-nb.info/1246920719

Ringvorlesung Pflegedidaktik

Es ist schon spannend, Teil der wissenschaftlichen Disziplin Pflegedidaktik zu sein und zu sehen, was allenthalben gedacht, gearbeitet und bewegt wird rund um die Bildung im Pflegeberuf. Als Mitglied der Sektion Bildung der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft war es zum Beispiel äußerst spannend, ein Projekt der Online-Lehre zu Fragen der Kasuistik mitgestaltet zu haben, das wir mit Studierenden von fünf Hochschulen im Wintersemester 2020/2021 durchgeführt haben.

An diese hochschul- und Wissenschaftler*innenübergreifende Idee anknüpfend, führen wir von der Sektion Bildung nun im Wintersemester 2021/2022 eine Ringvorlesung durch, die sich der Breite pflegedidaktischer Fragen widmet. Unter dem Motto Pflegedidaktik in Schlaglichtern – zwischen Transformation und Diffusion werden acht Wissenschaftler*innen in der Zeit vom 14. Oktober 2021 bis zum 3. Februar 2022 zu aktuellen Themen der Pflegedidaktik sprechen und zur Diskussion einladen. Die Teilnahme an den als Zoom-Meeting durchgeführten Veranstaltungen steht allen Interessierten offen.

Termine, Themen und Personen

14.10.2021, 18.00-19.30 Uhr
Prof. Dr. Roland Brühe Katholische Hochschule NRW, Köln
Moderation: Alexandra Wirth
Begrüßung und Einleitung durch den Sektionssprecher der Sektion Bildung der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft 
Pflegedidaktik in a nutshell: Aufgaben im Pflegeunterricht 

28.10.2021, 18.00-19.30 Uhr
Prof. Dr. Annerose Bohrer Evangelische Hochschule Berlin
Moderation: Prof. Dr. Anja Walter
Betriebliches Lernen und Lernortkooperation – Potenziale und Anforderungen aus der Perspektive der Pflegedidaktik 

11.11.2021, 18.00-19.30 Uhr
Prof. Dr. Nadin Dütthorn Hochschule Münster
Moderation: Dr. Sandra Altmeppen
Serious Games in der Pflegeausbildung

25.11.2021, 18.00-19.30 Uhr
Prof. Dr. Roswitha Ertl-Schmuck Technische Universität Dresden (Emerita)
Moderation: Prof. Dr. Wolfgang von Gahlen-Hoops
Grundsatzfragen der Pflegedidaktik – ein sich wandelnder Diskurs

9.12.2021, 18.00-19.30 Uhr
Vertr.-Prof. Bettina Glunde Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg
Moderation: Prof. Dr. Nadin Dütthorn
Horizonte erweitern – Wie bilden andere Länder in Europa Lehrende in den Gesundheitsberufen aus und was können wir daraus lernen? 

6.1.2022, 18.00-19.30 Uhr
Prof. Dr. Elfriede Brinker-Meyendriesch Fliedner Fachhochschule Düsseldorf (Emerita)
Moderation: Prof. Dr. Wolfgang von Gahlen-Hoops
Lehrerbildung Pflege/Gesundheit: Mangel an innerdisziplinärem Konsens und Nicht-gelöst-Sein der Parallelwelten? Eine produktive Selbstkritik 

20.1.2022, 18.00-19.30 Uhr
Prof. Dr. Wolfgang von Gahlen-Hoops Christian Albrechts-Universität zu Kiel
Moderation: Heiko Käding
Pflegedidaktik aus der Perspektive ihrer multiparadigmatischen Anforderungen

3.2.2022, 18.00-19.30 Uhr
Prof. Dr. Anja Walter Technische Universität Dresden
Moderation: Prof. Dr. Roland Brühe
Resümee zum Abschluss:  Quo vadis Pflegedidaktik und Pflegelehrer*innenbildung? 

Online-Teilnahme

Meeting-ID: 709 499 9931    Kenncode: 378236

Der Bahnhof von Vallendar

Wenn mit der Alma Mater per E-Mail Schluss gemacht wird

Die Geschichte ist ja hinlänglich bekannt: Der eine will Schluss machen mit der Beziehung, meidet aber die direkte Konfrontation. Deshalb schreibt er eine SMS und teilt die Trennung darüber mit. Der andere kann das erstmal nur hinnehmen und hat keine Möglichkeit, direkt zu reagieren. So etwas ist nun auch auf Hochschulebene geschehen.

Studierende und Mitarbeitende meiner Alma Mater, die Pflegewissenschaftliche Fakultät der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV), erhielten per E-Mail die Nachricht, dass die Fakultät per sofort „stillgelegt“ wird. Das haben die entsprechenden Leitungspersonen des Pallottiner-Ordens als Träger der Hochschule entschieden. Die Mitteilung kam Gründonnerstag, kurz vor dem höchsten Fest des christlichen Glaubens. Von christlicher Nächstenliebe war allerdings nichts zu spüren. Schließlich wurde per SMS E-Mail Schluss gemacht, nicht im direkten Gespräch. Niemand in der Fakultät wusste etwas davon im Vorfeld.

Das auf die Schließung folgende Elend zeigt sich rasch. Verunsicherte Studierende wissen nicht, wie es mit dem Studium genau weitergehen soll. Mitarbeitende haben keine konkrete Ahnung, wie es mit ihrer Beschäftigung weiterlaufen soll. Für die Pflegewissenschaft in Deutschland ist dies ebenfalls ein herber Schlag in empfindliche Regionen. Das strukturierte Promotionsprogramm ist sehr nachgefragt und bedeutend für die zukünftige Besetzung insbesondere von Professuren in der Pflegewissenschaft. Die Absolvent*innen des pflegewissenschaftlichen Masterstudiengangs arbeiten schon jetzt in wichtigen Funktionen und Positionen in den Einrichtungen und Organisationen. Die Lehramtsstudierenden erhalten in Kooperation mit der Universität Koblenz eine wissenschaftlich fundierte und nachgefragte Pflegelehrendenqualifizierung. Und der zukunftsweisende Studiengang Community Health Nursing hatte gerade begonnen. Darüber hinaus bietet die Fakultät eine Infrastruktur für systematische Pflegeforschung, wie es eben nur einer Universität möglich ist. All das wird nun wohl bald Geschichte sein, wenn die Fakultät in zwei bis drei Jahren die Türen endgültig schließen wird.

Es regt sich Widerstand, zum Glück. Die Solidarität ist groß. Verschiedene Verbände haben bereits Stellungnahmen und Appelle an die PTHV und die Politik gerichtet. Die Studierenden haben aufmerksamkeitserregende Aktionen durchgeführt und planen weitere. Und das Netzwerk der Ehemaligen, dessen Sprecher ich bin, hat sich nach der Mitteilung am Gründonnerstag stantepede organisiert und über Ostern eine Stellungnahme verfasst und veröffentlicht. Die Alumni nutzen ihre Netzwerke, um auf die unerträgliche Situation, die durch die Entscheidung der Hochschulträger eingetreten ist, aufmerksam zu machen. Ich selbst habe u.a. Interviews für SpringerPflege und BibliomedPflege gegeben.

Für mich ergeben sich folgende Erkenntnisse aus dieser Situation.

  1. Dass der Wegfall der Pflegewissenschaftlichen Fakultät eine solche Lücke in die Qualifizierungs- und Forschungsinfrastruktur reißt, macht deutlich, wie unzureichend diese Infrastruktur insgesamt in Deutschland entwickelt ist.
  2. Es braucht neue, universitäre Orte für die Pflegewissenschaft. Forschung benötigt eine Infrastruktur, wie sie nur Universitäten adäquat bieten können. Universitäten können wissenschaftlichen Nachwuchs ausbilden, der die Forschung und die Studiengänge von morgen ermöglicht und sicherstellt.
  3. Wenn die Gesellschaft und damit auch die Politik eine pflegerische Versorgung wollen, die wissenschaftlich basiert arbeitet und Konzepte zum Wohl der Bevölkerung entwickelt und umsetzt, dann sind die Länder aufgefordert, an staatlichen Universitäten Fakultäten, Lehrstühle und Personalstrukturen einzurichten und zu finanzieren.
  4. Eine Hochschule ist ein Ort der Bildung und kein Ort merkantiler Gewinnanhäufung. In Deutschland gibt es deshalb eine gute Tradition der akademischen Selbstverwaltung in Hochschulen, die getrennt ist von der kaufmännischen Leitung. Der Wissenschaftsrat überprüft unter anderem genau das im Rahmen der institutionellen Akkreditierung von privaten Hochschulen. In Rheinland-Pfalz ist dies nie erfolgt, weil das Land dies augenscheinlich nicht für nötig befunden hat einzufordern. Deshalb: Alle privaten Hochschulen müssen eine solche Akkreditierung erfahren, damit nicht die Geschäftsführung über Dinge entscheidet, die Sache der Hochschulgremien ist.

Wenn alle Aktionen, Appelle und Stellungnahmen den eingeleiteten Zustand in Vallendar nicht verändern, werde ich bald eine Doktorurkunde besitzen, die von einer nicht mehr existierenden Fakultät ausgestellt wurde. Das macht mich emotional betroffen. Denn zu meiner Alma Mater habe ich nicht nur ein wissenschaftlich-rationales Verhältnis, sondern eben auch ein emotionales.